Reparieren geht (meistens) über Neuinvestieren - wann sich eine Reparatur lohnt und wann nicht!

  • By camille.muller
  • Publiziert vor einem Monat

Reparieren geht (meistens) über Neuinvestieren

Wann sich eine Reparatur lohnt und wann nicht!

Wenn wir den Planeten retten wollen, dann brauchen wir einen anderen Umgang mit Ressourcen. Für die meisten ist es bereits selbstverständlich, den Müll zu trennen und eine wiederverwendbare Einkaufstasche anstatt einer Plastiktüte zu verwenden. Viele möchten auch ihre defekten Elektrogeräte reparieren lassen. Sie fragen sich jedoch, ob und in welchen Fällen die Reparatur eines älteren Geräts wirklich die nachhaltigere Wahl ist. Oekotopten bietet Entscheidungshilfen – auch für Gemeinden, die Reparaturen fördern wollen! Zum kompletten Ratgeber und den Entschiedungshilfen geht's HIER

Durch das Reparieren von defekten Gegenständen kann man sparen. Denn wenn ein Elektrogerät nach einer Reparatur weiterbenutzt wird, dann entfällt logischerweise der Neukauf und damit die Herstellung eines neuen Gerätes - sowie die Entsorgung des alten Geräts.

Oft ist es aber schwierig einzuschätzen, wann es sich lohnt ein Gerät zu reparieren - oder eben nicht. Neben den Kosten einer Reparatur kann es tatsächlich gute Gründe dafür geben davon abzusehen. Etwa dann, wenn ein alter Stromfresser durch ein modernes sparsames Gerät ersetzt wird. Woran können Verbraucher:innen sich orientieren?

Orientierungspunkt Energieeffizienz

Es kann hilfreich sein, zunächst einen Blick auf das EU-Energielabel des Gerätes zu werfen, um zu entscheiden, ob eine Reparatur Sinn macht. Besitzt ein Elektrogerät ein aktuelles EU-Energielabel, ergibt eine Reparatur prinzipiell Sinn. Ein aktuelles Label (für die meisten Haushaltsgeräte seit 2021 aktualisiert) zeigt Noten von A bis G. Zu beachten ist jedoch, dass Wäschetrockner, Dunstabzugshauben und Elektrobacköfen noch kein aktualisiertes Label haben, und damit immer noch das „alte“ Label mit Energieeffizienzklassen bis A+++ gilt.

Unabhängig von der Energieeffizienz lohnt sich die Reparatur besonders beim Defekt von nicht-elektrischen Teilen, wie Abdichtungen, Filter oder Schläuche, da diese einfach abmontiert und ersetzt werden können. Man denke an einen Gummischlauch an einer Waschmaschine – die Reparaturkosten sind hier überschaubar.

Giftstoffe in Geräten von vor 2006

Bei Geräten mit thermischer Isolierung oder Brandschutz, die vor 2006 produziert wurden, ist Vorsicht geboten. Der Grund hierfür mag überraschen, ist aber einleuchtend. Hier besteht die Gefahr, dass toxische Stoffe wie Blei, Cadmium, Quecksilber, sechswertiger Chrom oder sogar Asbest verbaut sind. Letzteres kann zum Beispiel in Wäschetrocknern, Toastern, Bügeleisen, Haartrocknern, Bügelbrettbezügen, Warmhalteplatten, Diaprojektoren, Rasenmähern bis hin zu Heizdecken oder sogar Topfhandschuhen enthalten sein.

Zudem erreichen viele dieser Geräte demnächst ein stolzes Alter von 20 Jahren (wenn sie es nicht bereits erreicht haben).Hier kann je nach Gerätetyp auch ohne Giftstoffe von einer Reparatur abgesehen werden, etwa weil Alterserscheinungen das Gerät weniger effizient machen oder aufgrund von Materialermüdung die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist (Beispiel Garten- oder Handwerkgeräte).

Dauerbetrieb oder nicht?

Ein weiteres wichtiges Kriterium sollte sein, ob das Gerät im Dauerbetrieb läuft, viel genutzt wird oder nicht. Bei Kühlschränken und Tiefkühlern, welche rund um die Uhr laufen, kann der Energieverbrauch eines alten Gerätes schnell ins Gewicht fallen. Als Stichdatum gilt hier die Einführung des neuen EU-Energielabels im Juli 2012. Von einer Reparatur älterer Kühlgeräte, die vor 2012 noch die Energieklassen B oder C hatten, kann abgeraten werden. Damit werden auch automatisch Geräte mit dem seit 1995 verbotenen Kältemittels FCKW aus dem Verkehr gezogen.

Bei kurzzeitig genutzten Geräten, wie Waschmaschinen, Geschirrspülern oder Elektrobacköfen, kann die Reparatur älterer Geräte jedoch sinnvoll sein, da ihr Energieverbrauch weniger ins Gewicht fällt als die Ressourcen, die bei der Entsorgung des alten und der Herstellung eines neuen Geräts verbraucht werden. Hier ist das Nutzverhalten bestimmend. Die Betriebstemperatur, das Benutzen des Öko-Programms, richtiges Beladen und natürlich, wie häufig die Geräte benutzt werden, sind hier für den Stromverbrauch ausschlaggebend.

Von Motorschaden und viel genutzten Ressourcenfressern

Während bei vielen Geräten der Austausch nicht-elektrischer Teile wie Schläuche oft sinnvoll ist und sich die Kosten in Grenzen halten, kann dies beim Motorschaden anders sein. Laut Stiftung Warentest gilt z.B. beim Staubsauger die Faustregel: Wenn das Gerät älter als zehn Jahre ist, lohnt sich eine Reparatur bei einem Motorschaden nicht. Anders sieht es für Produkte ab 2014 und mit maximaler Nennleistung von 1000 Watt aus. Dagegen soll bei Saugrobotern, in denen viele weitere wertvolle Ressourcen in Akku und Elektronik stecken, eine Reparatur in Betracht gezogen werden.

Für Unterhaltungselektronik wie Smartphones, Laptops, Computer und Spielekonsolen lohnt sich wegen des hohen Bedarfs an Ressourcen ebenfalls meistens eine Reparatur. Gleiches gilt für Fernseher. Doch auch für sie gilt: sind sie den ganzen Tag in Betrieb, kann es sich mit Blick auf den Energieverbrauch lohnen, sie zu ersetzen.

Der Reparaturbonus kann hohe Reparaturkosten abfedern

Unabhängig davon, ob eine Reparatur prinzipiell Sinn macht, ist der Preis einer Reparatur selbstverständlich ein nicht unwesentliches Kriterium. Selbst wenn der gesunde Menschenverstand sich für eine Reparatur ausspricht, können die Kosten dagegen sprechen. Wer kennt nicht eine Situation, in der ein Neukauf billiger war als eine Reparatur?!

Um dem entgegenzuwirken, setzen sich das Oekozenter Pafendall und der Mouvement Ecologique nicht nur für ein Umdenken in der Bevölkerung ein, sondern befürworten auch die Einführung eines Reparaturbonus. Hierbei handelt es sich um eine finanzielle Unterstützung, die Verbraucher: innen beantragen können, um einen Teil der Reparaturkosten für Gegenstände abzudecken.

27 Gemeinden in Luxemburg vergeben bereits eine Reparaturbonus (Link zur Liste mit den kommunalen Prämien) ,weitere wollen nachziehen - für Verbraucher:innen kann es sich daher lohnen, sich bei ihrer Gemeinde zu informieren.Einige von ihnen haben sich auch an den Entscheidungshilfen und Kriterien von Oekotopten orientiert.

Das Koalitionsabkommen der neuen Regierung aus CSV und DP sieht vor, dass die Einführung solches Finanzanreizes geprüft werden soll. Mehr ist bislang jedoch nicht bekannt Die Verbraucher:innen sind also bis auf Weiteres auf die Initiative ihrer Gemeinden angewiesen.


Hier geht's zu den Links für den Reparaturratgeber, den Entscheidungshilfen sowie den Reparaturforderungen.

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