Reparatur statt Neukauf: Online-Aktion von Oekotopten.lu

  • By camille.muller
  • Publiziert vor 8 Tagen

Reparatur statt Neukauf: Online-Aktion von Oekotopten.lu

Pünktlich zum Black Friday lanciert das Oekotopten-Team eine Smartphone-Sensibilisierungsaktion in den sozialen Medien, um zu einem schonenden Umgang mit unseren Ressourcen aufzurufen. Die Aktion gesellt sich zur Fixit-Kampagne „Flécken. Léinen. Notzen“ des Oekozenter Pafendall und Mouvement Ecologique.

Man sagt, das Zeichen für einen grundlegenden Wandel in der Gesellschaft sei das Auftauchen eines neuen Gegenstandes, den man mitnimmt, wenn man das Haus verlässt: Schlüssel, Brieftasche und seit einigen Jahren das Smartphone. Ob zum Musikhören, Filme schauen, Fotografieren oder einfach nur zum Telefonieren : Das Smartphone ist allgegenwärtig. Weniger sichtbar, aber dennoch präsent, sind der Ressourcenverbrauch und Elektroschrott und die sozialen und ökologischen Folgen, die diese mit sich bringen.

Am 25. November ist mit dem „Black Friday“, ein Aktionstag, an dem mit stark reduzierten Preisen geworben und zu einem problematischen Mehr an Konsum aufgerufen wird. Mit der Smartphone-Sensibilisierungsaktion rund um diesen Konsumtag möchte das Team von Oekotopten.lu auf einige Schattenseiten der Smartphone-Industrie aufmerksam machen. Eine Reihe von Infografiken(informative Bilder), die über soziale Medien des Projekts Oekotopten.lu lanciert wird, soll bis zu den Weihnachtsferien über Fakten informieren und das Bewusstsein für den Ressourcenverbrauch rund ums Smartphone schärfen.

Am Anfang steht die Feststellung, dass Elektroschrott kein zu vernachlässigendes Problem ist. Ecotrel, die Organisation, die in Luxemburg für die sachgerechte Entsorgung von Elektroschrott verantwortlich ist, sammelt im Schnitt 6.650.000 kg(!) an elektronischen Apparaten jährlich ein. Hinzu kommen die nicht-ordnungsgemäß entsorgten Geräte, die in den Haus- und Sperrmüll geworfen werden. Smartphones haben dazu beigetragen, dass dieser Berg an Elektroschrott in den letzten Jahren immer größer geworden ist.

Megatonnen Elektroschrott – verschwendete Ressourcen

Laut dem „Global E-waste Monitor“[i] wurden im Jahr 2019 weltweit 53,6 Megatonnen Elektroschrott produziert. Ein Großteil davon – 4,7 Megatonnen – waren kleine IT- und Telekommunikationsgeräte. In Europa wurden im gleichen Zeitraum 12 Megatonnen an Elektrogeräten verschrottet, was 16,2 Kilogramm pro Kopf entspricht. Nur 5,1 Megatonnen davon (42,5 %) wurden ordnungsgemäß gesammelt und recycelt – dabei verstecken sich in Elektrogeräten und Smartphoneswertvolle Rohstoffe.

In ihrer Infographik-Reihe macht Oekotopten.lu nicht nur auf die Probleme bei der Entsorgung von Smartphones aufmerksam, sondern auch auf die Produktion und den Verbrauch von Rohstoffen. Smartphones bestehen zu 56 % aus Kunststoff, zu 16 % aus Glas und Keramik und zu 25 % aus Metallen und Seltenen Erden. Zu letzteren zählen Kupfer aus Chile, Eisen und Zinn aus China, Nickel aus Indonesien, Lithium aus Chile und Bolivien, Kobalt aus der DR Kongo und Sambia, Coltan aus DR Kongo und Ruanda, und andere.

Soziale und ökologische Folgen

Zu den vielen Problemen, die mit der Produktion von Elektronik einhergehen, gehört allen voran die Kinderarbeit. Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International[ii] arbeiten allein in der DR Kongo rund 40.000 Minderjährige in Minen. Dort wird unter anderem der in Akkus verwendete Kobalt abgebaut. Für eine Recherche hat die Organisation sich mit betroffenen Kindern unterhalten. Viele von ihnen gaben an, dass sie arbeiten müssen um sich die Schule leisten zu können. Sie arbeiten dann vor und nach dem Unterricht, so wie an den Wochenenden. Die Regierung der DR Kongo will Kinderarbeit bis 2025 abschaffen. Menschenrechtsorganisationen bezweifeln allerdings, dass dies gelingen kann. Zu der Kinderarbeit kommen Umweltschäden die durch das schürfen verursacht werden und die Gemeinschaften vor Ort besonders stark treffen – etwa, wenn Abfallprodukte der komplizierten Extraktion Seltener Erden in das Grundwasser sickern und das Trinkwasser der Anwohner:innen dadurch gefährdet wird.[iii]

Flicken statt ersetzen

Es gilt deshalb, Smartphones (wie auch andere Elektrogeräte) so lange wie möglich zu benutzen und sie bei kleinen Schäden nicht gleich zu ersetzen. Denn viele Schäden – auch darauf macht Oekotopten.lu aufmerksam – lassen sichdurchaus reparieren. Defekte an der Kamera, am Display, am Akku oder am Ladeanschluss zum Beispiel bedeuten oft nicht das aus für ein Smartphone. Einige Reparaturen lassen sich sogar selber durchführen. Im Internet finden sich detaillierte Reparaturanleitungen für viele Modelle. Weitreichende Details hierzu finden sich unter www.oekozenter.lu/fixit

Ob ein Smartphone (oder ein anderes Elektrogerät) repariert werden kann (und wie kompliziert das ist), hängt oft maßgeblich von den Herstellern ab. Diese können es den Verbrauchern leichter oder schwerer machen selbst Reparaturen durchzuführen: etwa indem sie Ersatzteile zu vernünftigen Preisen bereithalten oder technische Daten, die bei der Reparatur helfen, veröffentlichen.

Frankreich hat darum am 1. Januar 2021 den „Indice de réparabilité“ (dt. Reparatur-Index) eingeführt. Der Index muss seit seiner Einführung in Frankreich bei verschiedenen Geräten angegeben werden. Elektrogeräte (wie Smartphones, Laptops, Elektrorasierer und Waschmaschinen) erhalten eine Note von 0 bis 10, je nachdem wie einfach oder schwer sie repariert werden können.

Handy-Rangliste für Luxemburg

Das Oekotopten-Team hat auf der Grundlage des französischen Index eine Liste der am leichtesten zu reparierenden Smartphones, die in Luxemburg auf dem Markt sind, und einen Einkaufsratgeber erstellt. Die Liste kann auf der Oekotopten-Website eingesehen werden und wird regelmäßig aktualisiert. Das Fairphone 4 steht derzeit an der Spitze dieser Liste, was nicht verwunderlich ist, da der Hersteller dieses Modells die Reparierbarkeit zur obersten Priorität erklärt hat.

Für die Verbraucher ist es oft nicht leicht, Informationen und Tipps zum Energie- und Ressourcensparen zu finden. Oekotopten.lu bietet deshalb einen auf den Luxemburger Markt abgestimmten Online-Ratgeber. Mehr Infos finden Sie unter Oekotopten.lu., auf Facebook und auf Instagram. Auf den Internetseiten des Oekozenter Pafendall und des Mouvement Ecologique, finden Sie außerdem weiterführende Informationen zum Projekt Rethink und der Fixit-Kampagne.

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